Startseite
 

 


Unsere Schule

Kontakt

Termine/Service

Fächer

Klassen/Oberstufe

Projekte

AGs

Mittagsbetreuung
Mittagessen
AGs

Schülervertretung

Schulelternbeirat

Kollegiumsseite

Verein der Ehemaligen

Links

FJLS-Interaktiv

Startseite Suchen

Sie befinden sich hier: Start >Mittagsbetreuung >AGs >Theater >Andorra (00/01) >

Bericht: Andorra (00/01)

Wenn Vorurteile blind machen für die Wahrheit

 

Hadamar. Wie verhält sich die Gemeinschaft zu Anders-Gearteten? Dieser Frage wird sich jeder stellen müssen, der sich ernsthaft mit dem Theaterstück "Andorra" von Max Frisch auseinander setzt. Die Mitglieder der Theater-AG der Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar haben sich seit Anfang des Jahres mit Frischs Stück über die Diskriminierung eines vermeintlich jüdischen Jungen befasst und vor allem in den vergangenen Wochen eine Menge Freizeit für die Probenarbeit geopfert. Das Ergebnis stellten die Schüler der Klassen neun bis 13 unter der Regie von Deutschlehrerin Gaby Schützeberg jetzt an zwei Abenden in der Aula der Schule vor.

 

Es war eine recht eindrucksvolle Leistung, die die Jugendlichen auf der Bühne zeigten. Zwar war besonders am Anfang noch etwas Lampenfieber spürbar, doch dann lief alles nahezu wie am Schnürchen. Die Schüler hatten ihre Texte fleißig gepaukt und waren bemüht, ihre Rolle gut "rüber zu bringen". Besonders gut gelang das Tobias-Valentin Gräf in der Rolle des Andri, dessen Weg vom unbeschwerten Waisenjungen zum allseits verachteten Außenseiter beschrieben wird. Andri, der in Wahrheit gar kein Jude ist, wird so lange eingeredet, er habe typisch jüdische Eigenschaften, bis er diese Rollenerwartung verinnerlicht, sich selbst als Jude fühlt und sein Anderssein annimmt. Einzig Barblin (überzeugend dargestellt von Efthimia Zonaras) hält bis zum Schluss zu Andri, versucht ihn gar zu retten, als er bei einer öffentlichen Judenschau "selektiert" und später hingerichtet wird, während Andris Vater (sehr textsicher Stefan Wellmann) sich ebenso wie die anderen Andorraner als Feigling entpuppt, weil er viel zu spät mit der Wahrheit herausrückt: nämlich damit, dass Andri sein unehelicher Sohn und damit kein Jude ist.

 

Stets hatte er den Andorranern zu verstehen gegeben, er habe den Jungen vor den "Schwarzen", in deren Land Gewalt und Terror herrschen, gerettet. Die jüdische Bevölkerung wird dort unbarmherzig verfolgt. Nicht so in Andorra; hier verstehen sich die Bewohner als friedlich und gerechtigkeitsliebend, und sie schlagen sich vor Wohlgefallen an der eigenen Gütigkeit gerne selber auf die Schulter. Doch all das ist, wie sich bald herausstellt, nur Fassade.

 

Großes Lob gebührt den Darstellern dieser Spießergesellschaft: dem patriotischen Amtsarzt (Stephanie Polzer), dem verlogenen Wirt (Christina Weißer), dem habgierigen Tischler (Verena Malm) und seinem unterwürfigen Gesellen (Manuela Otterpohl), dem hilflos-gütigen Pater (Benjamin Laux) und dem lüsternen Soldaten (Michael Novian). Sie alle beteuern durch Auftritte an der Zeugenschranke, die zu einem Zeitpunkt lange nach Andris Tod vorzustellen sind und die in der Inszenierung der Hadamarer Schule per Videoeinspielung (eine gute Idee der AG-Leiterin Gaby Schützeberg) realisiert wurden, ihre Unschuld. Schließlich war auch Sophie Deußer als Mutter mit von der Partie, ebenso Stefanie Meier als Senora, Lisa Neunzerling als Jemand, Nicola Weyer als Idiot, Fabian Lützig als Judenschauer mitmischte.

 

Erwähnt werden müssen auch die vielen Helfer hinter der Bühne: Daria Brilatus, die für Licht und Technik verantwortlich war, Stephanie Polzer, Tobias-Valentin Gräf, Verena Malm, Christina Weißer und Gaby Schützeberg, die das Bühnenbild entwarfen, und Deborah Kuevi als Souffleuse. Eine besondere, leitmotivische Funktion kommt der Musik zu, die Schüler Michael Novian eigens für die Aufführung komponiert hat, wobei er sich von Frischs Stück auch zu einem Songtext inspirieren ließ. Eingespielt und gesungen wurde die Musik von der Schülerband "Teacher's Despair" unter Leitung von Christoph Ries.

 

Frischs "Andorra" endet tragisch: Andri wird hingerichtet, sein Vater erhängt sich, und Barblin verfällt dem Wahnsinn, nicht ohne jedoch die Andorraner anzuklagen. In der Interpretation der Theater-AG wurden auch die Zuschauer miteingebunden. Denn jeder soll durch Frischs Stück angeregt werden, über seinen Umgang mit Menschen anderer Herkunft nachzudenken und die Macht des Vorurteils auch über sich selbst zu erkennen. Die Schüler wurden mit viel Applaus belohnt. (car)

 

(aus NNP vom 25.9.2000)

[zum Seitenanfang]

 
Aufführungen Theater-AG
Musicalprojekt geht in die heiße Phase (04/18)

Der Meteor schlägt in Hadamar ein (09/17)

Der Körper ist euer Instrument! (05/16)

„Ab heute heißt du Sara“ - beeindruckende Inszenierung der Theater-AG (07/14) (Kopie 1)

Unsere Theater-Ag wandelt auf Meister Diefenbachs Spuren (05/13)

Einer flog übers Kukucksnest (01/11)

Die Hexenjagd (06/09)

Streit der Königinnen (06/08)

Warming up als (12/06)

Warming up (07/06)

Die Physiker - Theaterfestival

Die Physiker (03/04)

Zehn kleine Negerlein (01/02)

Andorra (00/01)

Besuch der alten Dame (98/99)


[zum Seitenanfang]
Impressum · Kontakt · webmaster
Copyright Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar
[zurück]