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Sie befinden sich hier: Start >Unsere Schule >Fürst Johann Ludwig >Wer war Fürst-Johann-Ludwig? >

Wer war Fürst Johann Ludwig?

Ihren Namen hat die Schule von Fürst Johann Ludwig, welcher am 12. August 1590, also vor über 400 Jahren, auf Schloss Dillenburg geboren wurde und zum Begründer der jüngeren Nassau-Hadamarer Regentenfamilie wurde.

 

Der erst 16-jährige erbte 1607 Schloss und Amt Hadamar und verlegte im Jahre 1617 nach seiner Vermählung mit Gräfin Ursula von Lippe-Detmold seinen Sitz nach Hadamar.

 

Ein Jahr später brach der 30-jährige Krieg aus, der auch über die Menschen des Hadamarer Landes viel Elend und Not brachte.

 

Wer war dieser Johann Ludwig, der 1629 vom calvinistischen zum katholischen Glauben konvertierte, Mitglied des Kaiserlichen Reichshofrates und des Obersten Reichsgerichts war, der zum Kaiserlichen Gesandten in Lüttich berufen und als 1. Kaiserlicher Minister und Generalbevollmächtigter mit den Vorbereitungen der Westfälischen Friedensverhandlungen betraut und als Dank für seine Verdienste als erster nassauischer Graf 1650 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde?

 

Nach dem Besuch der "Hohen Schule" in Herborn, die von seinem Vater, Graf Johann VI. von Nassau, gegründet worden war, studierte Johann Ludwig an den Akademien in Heidelberg, Sedan und Genf, wobei besonders die Akademie von Sedan mit ihrer bedeutenden Bibliothek und ihren hervorragenden Lehrern großen Einfluss auf den jungen Studenten ausgeübt haben dürfte.

 

Hier forderte vor allem der Theologe Daniel Tilenius seine Studenten zur Toleranz gegenüber religiös Andersdenkenden auf und vertrat die Meinung, niemand dürfe zur wahren Lehre gezwungen, sondern nur davon überzeugt werden, und ein Lehrer erreiche durch Ermahnungen mehr als durch Drohungen.

 

Johann Ludwig verschaffte sich eine umfassende Allgemeinbildung, verbesserte seine Sprachkenntnisse, besonders in Latein und Französisch, befasste sich mit den wichtigsten Autoren der Antike.

 

Besonders die stoische Lebensauffassung wurde ihm nahegebracht, und seine Lehrer stellten ihm als Ideal "einen im Gleichgewicht seiner geistigen und seelischen Kräfte standhaft ausharrenden und seine Leidenschaft bezähmenden Mann, dem moralisches Verhalten und Vernunft oberstes Gebot sind", vor Augen.

 

Tugend und Klugheit, Gerechtigkeit und Milde, Tapferkeit und Mäßigung, Machtbewusstsein gepaart mit Bescheidenheit wurden dem jungen Grafen, wie auch den anderen Fürsten- und Grafensöhnen an Universitäten der damaligen Zeit, als erstrebenswerte Eigenschaften für Fürsten und Herrscher empfohlen.

 

Von Sedan aus begab sich Johann Ludwig an die von Calvin gegründete Akademie in Genf, wo er seine Studienzeit auch beendete.

 

Es folgte die Zeit der Bildungsreisen an die maßgeblichen europäischen Höfe, um die wichtigsten Repräsentanten der einzelnen Länder und deren einflussreiche Familien kennenzulernen, sich in der Diplomatie zu üben und seine in den Akademien erworbenen Kenntnisse in der Praxis umzusetzen.Diese Reisen in Kutschen, auf meist ungepflasterten Straßen, voller Strapazen und nicht ungefährlich, führten Johann Ludwig nach Frankreich, England und die Niederlande.

 

So hielt er sich mehrere Wochen in Paris am Hofe Heinrichs IV. auf, dem Johann Ludwig seine persönliche Aufwartung machte. Es folgten Aufenthalte in Portiers und London, wo es zu einem persönlichen Kontakt mit König Jakob I., dem Sohn Maria Stuarts, kam.

 

Eine zweite Bildungsreise führte Johann Ludwig nach dem Tode seines Vaters (1606) durch zahlreiche deutsche Fürstentümer und angrenzende Länder bis nach Ungarn.

 

Was uns Menschen von heute auffällt und verwundert, ist die Tatsache, dass es für Johann Ludwig keine Kindheit und Jugend gab, die mit heute vergleichbar wäre.So war er 12 Jahre alt, als er die "Hohe Schule" in Herborn verließ, um an der Akademie Heidelberg sein Studium zu beginnen, und er war gerade 15 Jahre alt geworden, als er bereits sein Studium in Genf beendete und die erste Bildungsreise antrat.

 

Als 16jähriger bekleidete er für kurze Zeit eine Hauptmannstelle im Heer seines Vetters Moritz von Nassau in den Niederlanden.

 

1618, als Johann Ludwig 28 Jahre alt war, begann der 30-jährige Krieg, der das Leben und Wirken des Grafen in großem Maße beeinflusste und bestimmte. "Die in ihren Ausmaßen und ihrer Bedeutung noch recht bescheidene Grafschaft bekam schon bald nach Ausbruch des Krieges dessen Auswirkungen zu spüren.

 

Seit 1619 versuchte Graf Johann Ludwig die Durchmärsche der kaiserlichen und protestantischen Heerhaufen so gering wir möglich zu halten, indem er die jeweiligen Heerführer durch Geldgaben zu bestechen oder die Angelegenheit auf diplomatischem Wege zu regeln versuchte.

 

Bei den Einquartierungen von Söldnern aus dem befreundeten Lagern hatte die Bevölkerung ebenso zu leiden wie unter denen der Katholiken. Die geforderten Naturalabgaben waren hoch, und die Soldaten schlugen gerne über die Stränge. Selbst durch die Bildung eines Landausschusses vermochte der Graf die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges nicht gänzlich von seinem Untertanen abzuwenden."

 

Im calvinistischen Glauben erzogen und daher die Ziele der Reformierten im Krieg unterstützend, war Graf Johann Ludwig zusammen mit den Nassauischen Grafen von Diez und Dillenburg im Laufe des Krieges in die Ungunsten des Kaisers gefallen, und es drohte ihnen die Einziehung ihrer Länder durch denselben.

 

Nach längerer Beratung, wie sie sich in dieser Lage gegenüber dem Kaiser verhalten sollten, zumal auch kaiserliche Truppen bereits im Anmarsch waren, sandten die Nassauischen Grafen 1629 ihren Bruder Johann Ludwig, der als guter Diplomat galt und auch von Kaiser Ferdinand II. wegen seiner ausgezeichneten Erziehung und Bildung, seiner feinen Manieren, seiner Liebenswürdigkeit und seiner angenehmen Erscheinung geschätzt wurde, an den kaiserlichen Hof nach Wien, um zu vermitteln.

 

"Dort vollzog er eine doppelte Wende, die offenbar durch eine längere Zeit des Schwankens und Nachdenkens vorbereitet war, nämlich eine religiöse und eine politische Wende."

 

Ob der Übertritt von Johann Ludwig vom Calvinismus zum Katholizismus aus politischem Kalkül erfolgte, um die Gunst des Kaisers zu erlangen und die Einziehung der Naussauischen Länder zu verhindern oder ob es länger vorbereiteter, von eigener persönlicher Überzeugung getragener Glaubenswechsel war, ist schwer zu sagen. Hier gehen die Urteile auseinander.

 

Toleranz bewies Graf Johann Ludwig dadurch, dass er seiner Ehefrau Gräfin Ursula freistellte, den Glaubenswechsel mit zu vollziehen oder ihrem reformierten Glauben treu zu bleiben. Die Gräfin entschied sich für letzteres. Von den Kindern wurden die Söhne katholisch erzogen, die Töchter blieben reformiert. Insgesamt gingen 15 Kinder aus der Ehe hervor, von denen jedoch 5 bereits im Jahr der Geburt und 3 im Alter von ein bis vier Jahren starben. Gräfin Ursula starb 1638 im Alter von 40 Jahren, vier Tage nach Geburt und Tod ihres 15. Kindes.

 

Gemäß dem Prinzip des Augsburger Religionsfriedens von 1555 "cuius regio, eius religio", welcher den Landesherrn das Recht zusprach, das Bekenntnis ihrer Untertanen zu bestimmen, versammelte Graf Johann Ludwig nach seiner Rückkehr aus Wien seine Hadamarer im Schloss, um ihnen persönlich mitzuteilen, "daß er beschlossen habe, den Gott und dem Kaiser verhaßten Calvinismus aus seinem Lande zu verbannen, uns an dessen Stelle den katholischen Glauben, den sie unbedachtsamer Weise vor 80 Jahre verlassen hätten, in seine Rechte und in seine Kirchen wieder einzusetzen; er rechne dabei ganz auf die Folgsamkeit und Beihilfe seiner Unterthanen."

 

Das Ansehen Johann Ludwigs hatte durch seinen Glaubenswechsel nicht gelitten. Auf protestantischer Seite blieb er geschätzt und geachtet. "Auch nach seiner Konversion verschloß er nicht die Augen vor den positiven Seiten seines früheren Bekenntnisses. Er wurde nicht müde, immer wieder auf die viel größere Gemeinsamkeit der Konfessionen hinzuweisen, während seine Verwandten das Trennende in den Vordergrund stellten."

 

Johann Ludwig bemühte sich sehr durch diplomatisches Verhalten und persönliche Verhandlungen, die Belastungen seines Landes durch Kriegswirren zu mindern. "Ob in diplomatischer Mission oder an seinem Hofe, immer verstand es der Graf, seinen Willen durchzusetzen. Für die Staatsraison und das Wohl seines Volkes trat er ein, zeigte sich tolerant und verständnisvoll, gleichzeitig geschickt genug, alles in die von ihm bestimmten Bahnen zu lenken."

 

Uns so verwundert es nicht, dass Kaiser Ferdinand III. ihn 1638 als Generalbevollmächtigten mit dem "Riesenwerk" der Verhandlung zur Beendigung des Krieges in Köln und Münster betraute. "Sein Kennerblick ersah sich gleich unseren Grafen Johann Ludwig, dessen Bildung überhaupt, dessen Gewandtheit und Klugheit und genaue Kenntiß aller politischen Verhältnisse, ihm allein die Aussicht auf einen möglichen Erfolg eröffnete. Er versammelte daher zu Wien alle Großen des Reiches, um ihnen mit Rath zu pflegen über die Wahl eines Gesandten, dem das Unmöglichscheinende, die Befriedigung Deutschlands und des größeren Theiles von Europa zugemuthet werden sollte. Die Stimmen wurden gesammelt, und alle verlangten den Grafen Johannes Ludovicus von Nassau-Hadamar."

 

In dieser Mission konnte er sein diplomatisches Verhandlungsgeschick voll ausspielen und schließlich mit großem Erfolg krönen. Denn unbestritten hat Johann Ludwig einen erheblichen Beitrag zum Zustandekommen des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 geleistet. Als Anerkennung für seine Leistungen und Verdienste wurde er 1650 in den Fürstenstand erhoben. Bereits drei Jahre später starb er am 10. März 1653 im Alter von 63 Jahren.

 

 

Seinen Plan, ein katholisches Gymnasium unter Leitung von Jesuiten zu errichten, hatte Fürst Johann Ludwig ein halbes Jahr vor seinem Tod verwirklicht. Nach längeren schwierigen Verhandlungen mit dem Jesuitenorden konnte er schließlich am 3. Oktober 1652 die offizielle Gründungsurkunde ausstellen. Mit diesem Datum beginnt also dank Fürst Johann Ludwig die gymnasiale Schultradition in Hadamar.

 

Abschließend kann man wohl sagen, dass Fürst Johann Ludwig wegen seiner umfassenden Allgemeinbildung, seiner relativ großen Toleranz gegenüber Andersdenkenden, wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Bevölkerung seines Landes während des 30-jährigen Kriegs, seiner allseits anerkannten Verdienste um die Beendigung dieses Krieges und nicht zuletzt als Begründer gymnasialer Bildung in Hadamar ein würdiger Namensgeber unserer Schule ist, wobei wir bei der Beurteilung seiner Person und seiner Leistungen immer berücksichtigen müssen, dass die Zeit, in der er lebte, aufwuchs und schließlich als Graf und Fürst über seine Untertanen herrschte, eine ganz andere war als heute. Und wir müssen uns davor hüten, Menschen früherer Zeiten allein nach unseren heutigen Wertmaßstäben zu messen; denn alle Menschen, auch wir, sind beeinflusst und geprägt vom jeweiligen Geist der Zeit.

 

(Lothar Hartmann aus "Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar, Informationen, Daten, Berichte", 1990)

 

 [Fürst Johann Ludwig bei wikipedia.de]


 
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