Startseite
 

 


Unsere Schule

Kontakt

Klassen/Oberstufe

AGs

Mittagsbetreuung

Schülervertretung

Schulelternbeirat

Verein der Ehemaligen
Der Verein
Aktuell

Startseite Suchen

Sie befinden sich hier: Start >Verein der Ehemaligen >Ludwig Kurtenacker (A1911) >


Ludwig Kurtenacker (A1911)

 

Ludwig Kurtenacker, Abitur 1911, gef. vor 100 Jahren am 16. 4. 1917

 

Bild 1: Der Gefreite Ludwig Kurtenacker im 1. Weltkrieg

 

Der Hadamarer Ehemalige Ludwig Kurtenacker wurde am 9. 3. 1892 auf der Elbmühle in Dorchheim geboren. Seine Eltern, Ludwig und Katharina, geborene Hölper, hatten sich zur Zeit des 1. Weltkriegs schon zur Ruhe gesetzt. Ludwig Kurtenacker sen. wird in dem standesamtlichen Todeseintrag zu seinem Sohn ausdrücklich als „Rentner“ bezeichnet. Das Elternpaar hatte um 1910 ein Haus in der Frickhöfer Bahnhofsstraße gekauft. Man kann davon ausgehen, dass auch der Sohn Ludwig vor dem 1. Weltkrieg in diesem Haus gewohnt hatte.

 

Nach zwei Jahren Gymnasialbesuch am königlichen Gymnasium Hadamar wurde der 12jährige Kurtenacker Ostern 1904 ins Bischöfliche Konvikt aufgenommen.

 

Bild 2: „Postkarte von Ludwig Kurtenacker aus dem Konvikt an seine Schwester Cäcilie, 1905“

 

Der damalige Regens Dr. Hild beurteilte den Quartaner als „brav und fleißig“. In den beiden folgenden Jahren der Unter- und Obertertia bescheinigt er ihm dagegen – offensichtlich als Pubertätsverhalten – „Mangel an Eifer“, „Mutwilligkeit“ und „Mangel an Ordnung“. In der Untersekunda „bemüht“ er sich wieder. Zu Anfang der Obersekunda versäumte Ludwig Kurtenacker wegen eines „Lungenkatarrhs“ ein halbes Jahr den Schulbesuch und bekam daher im ersten Trimester keine Noten. Danach scheint er bald wieder zu voller Kraft und Gesundheit gekommen zu sein. Denn die guten Endnoten des Schuljahrs zeigen, dass er den versäumten Stoff schnell nacharbeiten konnte. Darüber hinaus zeigte er bald wieder seine schon früher bescheinigte Mutwilligkeit. Das ist aus den Zeugnis-Bemerkungen zu schließen: „In der Schule vorlaut“, „Störung des Unterrichts“ oder „unordentlich“. Erst zum letzten Gymnasialjahr vermerkte der Regens: „bessert sich; ob gesund?“ Zur Maturitätsprüfung Ostern 1911 bedachte er seinen Zögling sogar mit höchstem Lob: „Kurtenacker hat sich im letzten Jahr als edler Charakter bewährt. Er beabsichtigt, Theologie zu studieren. “


Bild 3: Schmuckkarte von Kurtenackers Abiturjahrgang 1911

 

Ludwig Kurtenacker begann zunächst mit dem Theologiestudium am Fuldaer Priesterseminar. Schon nach einem Semester wechselte er jedoch Studienort und Fachrichtung: Im Sommersemester 1912 war er an der Uni Freiburg als stud. rer. pol. eingeschrieben, also als Student der Staats- und Wirtschaftswissenschaften. Zum Wintersemester 1912/13 setzte er seine Studien in Berlin fort. Danach suchte er sich beruflich neu zu orientieren. Als er im Frühjahr 1913 seine alte Schule in Hadamar besuchte, rieten ihm sein früherer Lehrer Prof. Leber wie auch der Direktor Dr. Gimmelt zu einer Banken-Laufbahn. Über Kontakte zum Volksverein für das katholische Deutschland erhielt er zum 2. Mai 1913 schließlich eine Volontärsstelle bei einer Bank in Mönchengladbach. Dort war er bis weit in den 1. Weltkrieg beschäftigt.

 

Wegen gesundheitlicher Probleme an Lunge und Gehör hatte man Ludwig Kurtenacker vom damaligen Militärdienst zurückgestellt. Auch dass er – im besten Soldatenalter – erst Anfang Februar 1916 gezogen wurde, mag darin begründet sein. Aus seinen Feldpostbriefen geht hervor, dass er gleich einer Einheit an der Westfront zugewiesen wurde: Er gehörte dem (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiment 68 an. Dieser Verband war mit elf weiteren Regimentern eingeordnet in die 16. Reserve-Division als operative Fronteinheit. Weitere übergeordnete Einheiten waren das VIII. Reserve-Korps in der 4. Armee, die im Mittelabschnitt der Westfront operierte.

 

Am 13. Februar 1916 schrieb Kurtenacker an seine Eltern und Geschwister einen dramatischen Brief: „Heute Abend eine fürchterliche Kanonade an der Front. Ununterbrochen hallt dröhnender Kanonendonner aus unmittelbarer Nähe Schlag auf Schlag zu uns herüber. Zur Vorsicht sage ich Euch hiermit Lebewohl.

 

Wir dürfen ja selbstverständlich nicht alles schreiben, es ist aber klar, dass im Westen allmählich die Entscheidung heranreift und dass es auf entweder biegen oder brechen muss, so kann der Krieg doch nicht weiter gehen, sonst gibt es ja einen Schrecken ohne Ende. Ich sehe dem, was uns erwartet, wahrhaftig nicht mit Freude, aber mit voller Beruhigung entgegen. Ich bin auf alle Fälle vorbereitet. Man darf ja überhaupt nicht über das ganze Blutvergießen nachdenken, sonst wird man ja selbst konfus…..“ (Brief-Auszug, transkribiert von Erich Kunz, aus dessen Privat-Archiv).

 

In dem Brief erscheint der Krieg als eine mörderische Horror-Erfahrung, wenn man Kurtenackers selbstzensierte Worte in Klartext übersetzt: Beim Nachdenken über das sinnlose Blutvergießen würde man verrückt werden. Er glaubte, dass im Frühjahr 1916 die große End-Scheidung kurz bevorstünde. Dabei ging der Schrecken dieses Krieges noch zweieinhalb Jahre weiter.

 

Das Trommelfeuer’ von dem Ludwig Kurtenacker sprach, beschrieb ein deutscher Leutnant bei der Winterschlacht in der Champagne im März 1915 so: „Wir wurden nun mit einem wahnsinnigen Artilleriefeuer überschüttet, dem sogenannten ‚Trommelfeuer‘. Ein Schuss jagt den anderen, es ist ein unaufhörliches Krachen und Brodeln. Ungeheure Eisenmassen wurden auf die Gräben geworfen. Dazu ‚klagen‘ die platzenden Granaten so eigentümlich. Denn die abgesprengten Stücke drehen sich weiter und verursachen einen hellpfeifenden Ton, der sich in seiner Gesamtheit wie ein langgezogenes Oh! anhört: Das ist alles so widerwärtig, dass man es nicht beschreiben kann …“.

 

Die Westfront des Jahres 1916 war durch die beiden großen Schlachten vor Verdun und an der Somme gekennzeichnet. Daran war die 16. Reserve-Division, in der Ludwig Kurtenackers Einheit integriert war, nicht unmittelbar beteiligt. Deren Gefechtskalender spricht für die 12 Monate von Oktober 1915 bis 19. 10. 1916 von „Kämpfen an der Aisne“. Wie diese relative Schlachten-Ruhe in der Mitte zwischen Verdun und der Somme aussah, beschrieb Ludwig Kurtenacker in seinem oben zitierten Brief vom 13. Februar 1916: „fürchterliche Kanonade … Kanonendonner aus unmittelbarer Nähe mit Schlag auf Schlag … Blutvergießen … Schrecken ohne Ende“.

 

Eine Woche nach Kurtenackers fürchterlicher Fronterfahrung wurde ein noch schrecklicheres Kriegs-Szenario eröffnet - in der „Hölle von Verdun“. Und vier Monate später entfachten die West-Alliierten mit der Schlacht an der Somme ein weiteres Höllenfeuer des Krieges. An dieser viermonatigen Schlachtenkette nördlich der Champagne war die 16. Reserve-Division nur am Rande beteiligt. Laut Gefechtskalender wurde sie aber ab dem 20. 10. 1916 in den Endkampf der Somme-Schlacht geworfen.

 

Die Schlacht an der Somme war die verlustreichste Einzelschlacht des Ersten Weltkriegs. Über 400.000 Soldaten des britischen Empires und etwa 200.000 Franzosen wurden in der Schlacht getötet oder verwundet. Die Verluste auf deutscher Seite betrugen ca. 430.000 Mann. Die strategischen Ziele der Alliierten wurden nicht erreicht.

 

Die 16. Reserve-Division verlegte man Ende November wieder zurück. Denn bis Anfang April 1917 meldete der Gefechtskalender wieder „Kämpfe an der Aisne“. Wahrscheinlich war der neue Frontort aber nicht mehr am Oberlauf des Flusses bei Perthes, 50 km süd-östlich von Reims, sondern in der gleichen Entfernung nord-westlich, etwa zwischen Soissons und Laon. Dort jedenfalls ist Kurtenackers Todes- und Begräbnisort.

 

Nach den Riesenverlusten bei der Schlacht an der Somme musste der französische Oberbefehlshaber Marschall Joseph Joffre zurücktreten. Aber der neue Oberkommandierende General Neville ließ im April 1917 nach dem gleichen Konzept wie an der Somme (und mit ähnlichem Misserfolg) erneut eine Großoffensive starten. Die Doppelschlacht nördlich von Reims am Chemin des Dames und südöstlich in der Champagne führten innerhalb von vier Wochen zu 350.000 ‚blutigen Verlusten’ auf beiden Seiten – bei nur marginalen Frontveränderungen.

 

Die Einheit von Ludwig Kurtenacker, also die 16. Reserve-Division, war laut Gefechtskalender ab dem 6. April 1917 an der Doppelschlacht beteiligt. Nach den Indizien stand sie im Zentrum der nördlichen Schlachtfront.

 

Seit dem Morgen des 6. Aprils prasselten die Granaten aus 3.500 Geschützen auf die deutschen Stellungen nieder. In den nächsten zehn Tagen feuerte die französische Artillerie 6,5 Millionen Geschosse ab, darunter 178.000 von schwerstem Kaliber. Danach erfolgte ein Infanterie-Angriff auf 40 km Breite.

 

Bild 4: Frontkarte von der Schlacht an der Aisne, Frühjahr 1917

 

Man sieht auf der Karte den Frontvorsprung (schwarze Linie, direkt an der Aisne), gegen den sich der Hauptstoß der französischen Infanterie richtete. Die drei deutschen Divisionen 183, 16 und 19, die östlich des Ortes Vailly standen, mussten bei dem ersten Vorstoß ihre vorderen Verteidigungslinien aufgeben und sich an dem Höhenrücken des Chemin des Dames auf eine zweite Verteidigungslinie zurückziehen. Im Gefechtsbericht bei wikipedia heißt es zum ersten Gefechtstag am 16. April: „Bei der Gruppe Vailly wurde die gegenüber Beaulne - Soupir angegriffene 183. Division von französischen Truppen auf Braye zurückgeworfen. Südlich Courtecon mußte die 16. Reserve-Division (die Einheit von Ludwig Kurtenacker) den Höhenrücken westlich Troyon und das Gelände nach Beaulne gegenüber dem französischen XX. Korps aufgeben. Ebenso musste die 19. Reserve-Division gegenüber der 10. Kolonial-Division auf das Dorf Ailles zurückgehen und räumte am linken Flügel Hurtebise. Die beiden genannten Divisionen der Gruppe Liesse gingen zwischen den Dörfern Braye und Cerny auf den Chemin des Dames zurück.“

 

Der Ort Cerny liegt am Höhenrückenweg Chemin des Dames an der Stelle, wo sich die alte und neue Frontlinie trafen. Das kleine Dörfchen liegt etwa 40 km von Reims entfernt sowie sechs km von der Kleinstadt Laon. (Dieser Ort hat auf dem Stadtberg eine spätromanische Kathedrale, die als Vorbild für den Limburger Dom angesehen wird.) In der Nähe von Cerny fiel der Gefreite Ludwig Kurtenacker am 16. 4. 1917, dem ersten Gefechtstag der Schlacht an der Aisne. Das tödliche Gewehrgeschoss traf ihn im 25. Lebensjahr. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem Kameradengrab auf dem Kriegsgräberfriedhof bei Cerny-en-Laonnois.

 

Als letzten Eintrag auf seiner Konvikt-Schülerseite vermerkte der Regens: „K. erlitt im Frühjahr 1917 den Heldentod fürs Vaterland“.

Hubert Hecker

 

 




Bild 1


Bild 2


Bild 3


Bild 4


Bild 5


Bild 6


 
Übersicht: Ehemalige
Der Verein

Aktuell


[zum Seitenanfang]
Impressum · Kontakt · webmaster
Copyright Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar
[zurück]