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Joseph Maria Pascher (A1912)

 

Der Liturgie-Lehrer von Papst Benedikt XVI. war Schüler in Hadamar (Abi-Jahrgang 1912)

von: Hubert Hecker

Für die geistliche Prägung des Theologiestudenten Josef Ratzinger und dessen Liebe zur Liturgie war der Seminardirektor und Liturgieprofessor Joseph Pascher entscheidend.

 

Joseph Maria Pascher wurde als Sohn des Gutsinspektors Kaspar Pascher 1893 in Härtlingen auf Hof Westert geboren. Der kleine Ort gehört heute zur Verbandsgemeinde Westerburg im Westerwaldkreis, Bundesland Rheinland-Pfalz. Offenbar erforderte der Beruf des Vaters gelegentliche Ortswechsel, sodass der Sohn in Friedberg und später in Oberlahnstein zur Schule ging. Im April 1908 wurde er von der dortigen Oberschule in die Untersekunda des „Königlichen Gymnasiums in Hadamar“ aufgenommen. Damals wurde der Wohnort des Vaters mit ‚Schloss Neurod’ angegeben, so dass anzunehmen ist, dass Joseph Pascher Kost und Logis bei einer Hadamarer Familie nahm.

 

In den vier Schuljahren in Hadamar konnte der Schüler in fast allen Fächern eine ‚2’ vorweisen, nur im Fach Religion – gehalten vom Konvikt-Präses Dr. Antonius Hilfrich, dem späteren Bischof von Limburg - hatte er in allen Halbjahreszeugnissen eine ‚1’. So verwundert es nicht, dass er auf der Abiturientenliste den Berufswunsch „kath. Theologie“ eintrug.

 

In dem Hadamarer Schulbericht über das Schuljahr 1911/12 wird Joseph Pascher unter dem Punkt „Vaterländische Gedenktage“ erwähnt: „Bei der Sedanfeier (am 2. September) hielt der Oberprimaner Josef Pascher den Festvortrag. Er erwähnte eingangs, daß alle großen Ereignisse im Leben unseres Volkes sich in seiner Dichtung widergespiegelt hätten, und legte dann dar, wie während des deutsch-französischen Krieges im Jahre 1870/71 die Gefühle und Stimmungen der Deutschen, ihre Trauer um die gefallenen Brüder, ihre Freude über die glorreichen Siege, ihr Stolz auf die endlich errungene deutsche Einheit in den Liedern der zeitgenössischen Sänger einen machtvollen und würdigen Ausdruck gefunden hätten.“

 

Aufschlussreich für die nationale Stimmungslage jener Zeit ist der Schulbericht über einen Vortrag zum Geburtstag des Kaisers am 27. 1. 1912. Der Redner, ein Professor Leber, stellte ihn unter das Motto der deutschen Mannentreue sowie der Fürstentreue der Hohenzollern dem Volk gegenüber. Der Vortrag endete mit dem Appell, „angesichts der Gefahren von innen und außen in alter deutscher Mannentreue fest zu stehen zu Kaiser und Reich. (…) Ob nun in friedlichem Wirkungskreise, oder ob in Zukunft der Ruf des obersten Kriegsherrn ergehe, mit Gut und Blut für Ehre und Wohlfahrt des Reiches einzustehen, immer solle die alte deutsche Treue in der Welt behalten ihren alten schönen Klang.“ Diese Einstimmung auf den zukünftigen Krieg erging zweieinhalb Jahre, bevor der Kaiser am 1. August 1914 tatsächlich den Ruf zu den Waffen erließ.

 

Nach dem Abitur trat Pascher in das Priesterseminar in Fulda ein und wurde dort 1916 zum Priester geweiht. Noch während der Kaplanszeit studierte er in Frankfurt für das Lehramt Mathematik, Orientalische Sprachen und Pädagogik und promovierte 1921 zum Dr. phil. Ab 1920 war er als Studienrat am städtischen Realgymnasium in Wiesbaden tätig. 1928 legte er an der Universität Würzburg eine Studie zur Religionspsychologie nach Joseph Görres vor - seine theologische Dissertation.

 

Nach seiner Habilitation in Fundamentaltheologie im Jahre 1929 lehrte Pascher bis 1936 an der Uni Würzburg. Wegen der Schließungen von katholischen Fakultäten seitens der NS-Behörden kam er über München schließlich 1940 nach Münster, wo Pascher bis 1946 als Professor für Pastoraltheologie wirkte. Ab Sommer 1946 lehrte er als ordentlicher Professor für Liturgiewissenschaft, Homiletik und Pastoraltheologie an der Universität München. Zugleich fungierte er als Direktor des bischöflichen Priesterseminars ‚Georgianum’. Bis zu seiner Emeritierung 1960 war Joseph Pascher zweimal Dekan der theologischen Fakultät und von 1958 bis 1959 Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität.

 

Nach Ende seiner universitären Laufbahn arbeitete Pascher in der vorbereitenden Konzilskommission für liturgische Fragen des Zweiten Vaticanums. In den beiden ersten beiden Sitzungsperioden des Konzils war er theologischer Berater von Julius Kardinal Döpfner. Nach dem Ende des Konzils beriet er die Deutsche Bischofskonferenz zu Fragen der anstehenden Liturgiereform. Eine Warnung Paschers aus jener Zeit lautete: „Man darf nie Zeichen der Ehrfurcht (wie die Kommunionbank, Patene, Kommuniontuch etc) abschaffen, denn dann schafft man die Ehrfurcht selbst ab.“ “Pascher starb 1979 an den Folgen eines Schlaganfalls; sein Grab befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof.

 

In den Jahren 1947 bis 1951 betreute Joseph Pascher auch den damaligen Theologiestudenten Joseph Ratzinger – sowohl als Professor für Liturgie wie auch als Direktor des Münchener Priesterseminars Georgianum.

 

Ratzinger schreibt dazu in seinen biographischen Erinnerungen: „Am meisten prägend wurden für mich aber – neben den Exegeten – Söhngen und Pascher. (…) Der Pastoraltheologe (Joseph) Pascher, der - wie gesagt – auch Direktor unseres Georgianums war, hat uns durch seine lebendigen geistlichen Vorträge, in denen er aus reicher spiritueller Erfahrung ganz persönlich und ohne alle Schablonen zu uns redete, oft ins Herz getroffen. In seinem Erziehungssystem war alles auf die täglich gefeierte heilige Messe aufgebaut. Ihr Wesen und ihre Struktur hat er uns in einer großen Vorlesung im Sommer 1948 erschlossen, die unter dem Titel „Eucharistia“ bereits 1947 als Buch erschienen war.

 

Ich war bisher der ‚Liturgischen Bewegung’ mit einer gewissen Reserve gegenübergestanden. Bei vielen ihrer Vertreter spürte ich einen einseitigen Rationalismus und Historismus, der allzu sehr auf die Form und auf die historische Ursprünglichkeit bedacht war und den Werten des Gemüts gegenüber, die unsere Kirche als das Daheimsein der Seele erfahren lassen, eine merkwürdige Kälte spüren ließ. Gewiss, der Schott war mir kostbar, ja, unersetzlich; der Zugang zur Liturgie und ihrer wesensgemäßen Feier, den er gebahnt hatte, war für mich das unbestreitbare Positive an der Liturgischen Bewegung. Aber die gewisse Engherzigkeit vieler ihrer Anhänger, die nur eine Form gelten lassen wollten, störte mich.

 

Durch Paschers Vorlesungen und durch die ehrfürchtige Art, in der er uns Liturgie von ihrer Wesensgestalt her zu feiern lehrte, bin ich Anhänger der Liturgischen Bewegung geworden: So wie ich das Neue Testament als die Seele aller Theologie verstehen lernte, so begriff ich Liturgie als ihren Lebensgrund, ohne den sie verdorren muss. Deswegen habe ich zu Beginn des Konzils den Entwurf der Liturgie-Konstitution, der alle wesentlichen Erkenntnisse der Liturgischen Bewegung aufnahm, als einen großartigen Ausgangspunkt für die Kirchenversammlung angesehen und Kardinal Frings in diesem Sinn beraten. Dass die negativen Seiten der Liturgischen Bewegung auf die Selbstzerstörung der Liturgie hindrängen würden, habe ich nicht vorauszusehen vermocht“ (aus: Joseph Ratzinger: Aus meinem Leben. Erinnerungen (1927-1977), Heyne Sachbuch 19/709, München 4/200, S. 51-54).

 

In den späteren Amts- und Lebensphasen von Papst Benedikt XVI. – ab 1977 Erzbischof und Kardinal in München, ab 1982 Präfekt der Glaubenskongregation in der römischen Kurie - kam die durch Joseph Pascher angesetzte Prägung für liturgische Fragen noch deutlicher zum Vorschein. Schon als Kardinal kritisierte Ratzinger verschiedene Erscheinungen in der Umsetzung der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum.

 

In den knapp acht Jahren seiner päpstlichen Regierungszeit zeigte sich, dass Papst Benedikt XVI. in den Fragen nach Wesen und Gestalt der Liturgie einen Schwerpunkt seines Pontifikates sah. Seine Beiträge zur Liturgie, insbesondere das im Jahr 2000 erschienenen Buch „Der Geist der Liturgie“, sind nach eigenen Aussagen „bezeichnend für sein Denken“. Bahnbrechend war in dieser Hinsicht das apostolische Schreiben ‚Summorum Pontificorum’ vom Juli 2007, in dem der Papst neben den neuen Messritus nach dem Konzil, den er als ‚Römischen Ritus in der ordentlichen Form’ bezeichnete, auch wieder die Feier der Heiligen Messe nach dem traditionellen römischen Ritus seit dem Tridentinum erlaubte - also den ‚römischen Ritus in der außerordentlichen Form’.

 




Die gemalte und gedruckte Abiturientenkarte von 1912 wurde von Joseph Pascher entworfen.


 
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