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Karl Bücher (A1866): Stammvater der Medienwissenschaft

Ein Forschungspionier aus Kirberg


Karl Bücher: Stammvater der Medienwissenschaft – Würdigung in Leipzig

 

Vor mehr als 100 Jahren begannen sich deutsche Hochschulen erstmals wissenschaftlich mit Massenmedien auseinanderzusetzen. Karl Bücher, der Begründer dieser damals revolutionär neuen Forschungsrichtung, stammt aus Kirberg. Jetzt hat die Uni Leipzig seinen umfangreichen schriftlichen Nachlass öffentlich zugänglich gemacht.

 

Hünfelden-Kirberg. Kommunikations- und Medienwissenschaften sind heute geradezu Modefächer an vielen Universitäten geworden. Schließlich gibt es viel zu erforschen, spätestens seit sich zu Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen auch die Internet-Medien gesellt haben. Was heute nur noch wenige wissen: Der Stammvater der Medienwissenschaft in Deutschland kommt aus Kirberg. Karl Bücher (1847 bis 1930) war zwar von Hause aus Nationalökonom, heute würde man das wohl "Volkswirtschaftler" nennen, sein Leben lang befasste er sich aber auch mit dem Journalismus. In seinem späten Schaffen begründete er die Forschungsdisziplin der Zeitungskunde. Mit dieser Pionierarbeit und vor allem mit der Gründung des Instituts für Zeitungskunde 1916 in Leipzig begann in Deutschland die gezielte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Medien überhaupt erst.

 

Am 16. Februar 1847 erblickte Karl Bücher in Kirberg im Haushalt eines Bürstenmachers und Landwirts das Licht der Welt, von 1863 bis 1866 besuchte er das Gymnasium in Hadamar und anschließend die Universitäten Bonn und Göttingen, unterbrochen von einer Zeit als Hauslehrer in Heppenheim. Nach der Promotion in Geschichte und Philosophie folgten weitere kurzzeitige Lehrerstellen, unter anderem in Amsterdam. 1873 bis 1880 hatte er seine erste längerfristige Stellung als Geschichtslehrer an der Wöhlerschule in Frankfurt inne. Nebenher verfasste Karl Bücher erste nationalökonomische Schriften und lernte die journalistische Praxis kennen: Er wurde freier Mitarbeiter für Wirtschafts- und Sozialthemen bei der liberalen Frankfurter Zeitung, dem Vorläuferblatt der Frankfurter Neuen Presse, zu der heute auch die NNP gehört.

 

1881 schaffte Karl Bücher den Sprung in eine akademische Laufbahn, zunächst mit einer Habilitation im Fach Nationalökonomie in München und Lehrtätigkeiten in Dorpat, Basel und Karlsruhe. 1892 kam er schließlich in Leipzig an, das seine wichtigste Wirkungsstätte werden sollte. Als Professor für Nationalökonomie und Statistik veröffentlichte er bald die Aufsatzsammlung "Die Entstehung der Volkswirtschaft", die international große Anerkennung fand. 17 Auflagen und verschiedene Übersetzungen wurden bis 1926 gedruckt. Zudem entwickelte Karl Bücher wegweisende wirtschaftsstatistische Verfahren. Vor allem ist sein Name aber mit der "Wirtschaftsstufentheorie" verbunden, die die wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit in die Stufen Haus-, Stadt- und Volkswirtschaft unterteilt.

 

Bücher muss ein sehr vielfältig interessierter und für ungewöhnliche Ideen offener Geist gewesen sein. Sein ebenfalls weithin beachteter Band "Arbeit und Rhythmus" von 1894 befasst sich beispielsweise mit der Frage, wie sich Arbeitsabläufe durch Musik- und Gesangsbegleitung menschenfreundlicher und weniger eintönig gestalten lassen. Von 1903 an war er Herausgeber der bedeutenden wissenschaftlichen "Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft". Im gleichen Jahr leitete er als Rektor die Universität Leipzig.

 

Über seine Universität hinaus setzte er sich dafür ein, dass Volks- und Betriebswirtschaft als akademische Fächer anerkannt wurden – noch längst keine Selbstverständlichkeit im Kaiserreich. Zeitweise lag er im scharfen Streit mit Buchverlagen und ihren Verbänden, weil er für bessere Veröffentlichungsmöglichkeiten von Wissenschaftlern kämpfte. Politisch stand Karl Bücher der Arbeiterbewegung nahe.

 

Auch die journalistische Tätigkeit in seinen Frankfurter Jahren blieb für Büchers Leben bestimmend. Bereits in den 1880er-Jahren hatte er an der Universität Basel "pressekundliche Vorlesungen" gehalten. Dabei ging es ihm einerseits um die Transparenz in Politik und Gesellschaft, die die Presse schaffen kann, andererseits um die Gefahr, dass sie vom Staat oder von Interessengruppen vereinnahmt wird. 1909 bot ihm der Verleger der "Leipziger Neuesten Nachrichten" mit einer Stiftung die Möglichkeit, eine akademische Journalistenausbildung einzurichten, deren Lehrpläne Bücher vollkommen neu entwickelte. 1916 gründete er schließlich das Institut für Zeitungskunde. Die Leipziger Arbeit Büchers wurde an vielen deutschen Hochschulen und darüber hinaus zum Vorbild für die wissenschaftliche Arbeit an Massenmedien.

 

Am 12. November 1930 starb Karl Bücher in Leipzig. Zeitlebens hatte er die Verbindung nach Kirberg aufrecht erhalten, wie überlieferte Briefe beweisen. Besonders scheint er sich um seinen Neffen Hermann Bücher (1882 bis 1951) gekümmert zu haben, der später Direktor und Vorstandsvorsitzender des Elektrokonzerns AEG werden sollte. vt

 

Info: Die Ausstellung

 

Die Universitätsbibliothek Leipzig zeigt noch bis zum 10. Oktober 2012 eine Ausstellung über das Leben und Wirken Karl Büchers.


Sie steht am Ende eines seit dem Frühjahr 2009 laufenden Projekts, in dem der schriftliche Nachlass Büchers erstmals geordnet und komplett digital erfasst wurde. Damit können jetzt Forscher und Interessierte die Schriften des Zeitungswissenschaftlers am Computer lesen. Rund 7400 Briefe und Manuskripte, aber auch Schulhefte oder Flugblätter, die Bücher gesammelt hat, sind damit öffentlich zugänglich; insgesamt rund 30 000 Seiten. Korrespondenz mit der Familie in Kirberg ist ebenfalls darunter, was die Sammlung auch für Lokalhistoriker interessant machen dürfte. Wer möchte, kann unter www.ub.uni-leipzig.de, Menüpunkt "Projekte", in Karl Büchers Bibliothek stöbern. vt

 

Artikel der Nassauischen Neuen Presse vom 19. September 2012, 18.20 Uhr (letzte Änderung 20. September 2012, 04.28 Uhr)




Karl Bücher in späten Jahren. Foto: Universitätsbibliothek Leipzig

 
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