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28.12.2007 Schüler nehmen den Finanzminister ins Kreuzverhör

 

Hadamar. Schüler der Fürst-Johann-Ludwig-Schule sprachen im Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“ (Zisch) mit dem hessischen Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) über Politik, Spitzensport und Schulnoten.

 

Welche Aufgaben haben Sie als Finanzminister?

 

Weimar: Eigentlich führe ich einen großen Konzern. Ich habe mehr als 15 000 Mitarbeiter, davon ist der größte Teil in der Finanzverwaltung beschäftigt. Wir haben das gesamte Steuerprogramm zu machen: Steuergesetzgebung und konkrete Fälle. Ich muss mich außerdem sehr viel um finanzpolitische Bundesthemen kümmern, denn ich bin Vorsitzender der Finanzminister-Konferenz. Daneben habe ich einen Landeshaushalt von 24 Milliarden Euro zu verwalten, und bin für alle hessischen Landesbeteiligungen zuständig. Zu den Beteiligungen gehören beispielsweise die Fraport AG, deren Aufsichtsratsvorsitzender ich bin und an der das Land Hessen mit 31 Prozent beteiligt ist. Die Messe Frankfurt ist mit 40 Prozent eine weitere Beteiligung des Landes. Des Weiteren haben wir eine große Wohnungsbaugesellschaft, die Nassauische Heimstätte. Nicht vergessen werden darf auch Toto Lotto, ein Unternehmen mit mehr als 660 Millionen Euro Jahresumsatz. Der Finanzminister ist zugleich auch so etwas wie ein Bauminister. Das Finanzministerium ist für alle öffentlichen Hochbauten zuständig. Hierfür geben wir im Jahr 350 bis 400 Millionen Euro aus. Ja, und das verwalten wir alles – ein Minister, ein Staatssekretär und unsere Mitarbeiter.

 

 

Weimar: Entschlossen habe ich mich während der Studienzeit. Ich habe mich 1969/70 über den Absolutheitsanspruch der Linken an der Uni geärgert. Es war die Zeit der Vietnam-Konflikte und so weiter. Die Linken haben sich sehr aggressiv gegenüber jedem verhalten, der nicht mitgeschwommen ist und seine eigene Meinung vertreten hat. Da habe ich mich so geärgert, dass ich mich entschlossen habe, in der Politik mitzumachen. Ich habe in der Jungen Union angefangen, weil ich der Meinung war, dass die CDU eine gute Politik macht und gute Positionen vertritt. Und ich habe relativ schnell Funktionen übernommen. Ich bin Gemeindevertreter in Staffel geworden, damals bei einer Freien Wählerliste, zu der Zeit gab es in Staffel nämlich noch keine CDU. Später, 1974, bin ich in den Kreistag gewählt und JU-Kreisvorsitzender geworden. Von da an habe ich einfach weiter gemacht und Glück gehabt. Denn es ist nicht immer alles eigener Verdienst, manchmal muss man auch ein bisschen Glück haben. So bin ich durch eine Reihe glücklicher Umstände 1978 in den Landtag gekommen. Dort bin ich jetzt mit Abstand der dienstälteste Abgeordnete. 1987 bis 1991 war ich Umweltminister, danach war ich wieder Abgeordneter und arbeitete in meinem Anwaltsbüro. 1999 hat mich Ministerpräsident Roland Koch dann zum hessischen Finanzminister ernannt, so dass ich heute auf fast 30 Jahre als Landtagsabgeordneter und davon 13 Jahre Ministertätigkeit zurückblicken kann. Ich war immer der Jüngste, und jetzt bin ich der Dienstälteste, obwohl nach Lebensjahren noch lange nicht der Älteste. Die Zeit bleibt aber auch in der Politik nicht stehen.

 

War es nur Glück, dass Sie in dieses Amt kamen. Oder hatten Sie Beziehungen?

 

Weimar: Beziehungen hatte ich keine. Meine Eltern hatten einen Bauernhof in Staffel und waren politisch nicht aktiv. Ich habe das immer selbst gemacht. Ich habe kandidiert und bin gewählt worden. Das hört sich so einfach an, man muss sicherlich eine gewisse Härte mitbringen. Ich war mit 24 im Kreistag, mit 28 im Landtag. Ich habe mich immer selbst durchgesetzt. Aber Glück muss man trotzdem haben. Als 1978 der Wahlkreis frei wurde, wollte ich die Chance am Schopf packen, denn eines ist auch klar: Wenn es eine Chance gibt, muss man zugreifen.

 

Gab es jemals Schwierigkeiten bei Ihrem politischen Aufstieg?

 

Weimar: Klar doch. Schwierig war für mich die Zeit als Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit. Erstens war ich mit 37 einer der jüngsten Minister in Deutschland. Es gibt ja keinen Lehrberuf Minister. Man muss einiges mitbringen und einiges lernen. Und es war eine ziemlich schwierige Zeit. Ich habe immer spaßhaft gesagt, alles, was kaputt gehen konnte, war bei mir im Ministerium, und im Zweifel ist es auch kaputt gegangen. Ich muss aber auch sagen, dass ich in den vier Jahren emotional sehr belastet war, was nicht spurlos an meiner Frau und mir vorbei ging, denn erstens war ich kaum zu Hause und zweitens leidet die ganze Familie darunter, wenn du permanent angegriffen wirst und in der Zeitung steht, was du angeblich alles falsch machst. Das ist aber in der Wirtschaft in Spitzenpositionen genauso. Wer in die Höhen aufsteigt, muss auch im Privatleben mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

 

Gefällt Ihnen das Amt des Finanzministers besser als das des Umweltministers?

 

Weimar: Das sind zwei sehr unterschiedliche Ämter. Ich bin eigentlich jemand, der versucht, die Dinge im Hintergrund sehr präzise vorzubereiten, damit andere ihre Arbeit machen können. Der Finanzministerposten ist aus meiner Sicht in erster Linie dazu da, den anderen Ministerien die Möglichkeit zu geben, die Ziele der Landesregierung umsetzen zu können – mal davon abgesehen, dass ein Finanzminister dafür sorgen muss, dass die Kasse stimmt. Es ist auch heute, vielleicht altersbedingt der bessere Job für mich, weil ich viel Erfahrung habe und das sehr gut nutzen kann. Am Amt des Umweltministers hat mich immer sehr fasziniert, dass man viel gestalten kann.

 

Was halten Sie für Ihren größten Erfolg – damals als Umweltminister und jetzt als Finanzminister?

 

Weimar: Als Umweltminister habe ich dafür gesorgt, dass auf Mülldeponien kein Erdaushub und Bauschutt mehr kommt. Das waren damals 60 Prozent der angelieferten Mengen, mit dem Ergebnis, dass zwischenzeitlich in Hessen keine Mülldeponien mehr gebaut werden mussten – einfach weil sich die Müllmengen gewaltig reduziert haben. Und dann habe ich dafür gesorgt, dass bestimmte Materialien nicht mehr auf Mülldeponien abgelagert werden dürfen. So sind wir in das Zeitalter der Müllverwertung eingestiegen. Zudem habe ich im Bereich des Gewässerschutzes dafür gesorgt, dass wir in Hessen ein flächendeckendes System von Kläranlagen bekamen. Im Kreis Limburg-Weilburg waren 47 Prozent aller Haushalte an Kläranlagen angeschlossen, als ich 1987 als Umweltminister anfing. Als ich 1991 aufhörte, waren es mehr als 90 Prozent. Als Finanzminister steht nach meiner festen Überzeugung mein größter Erfolg noch vor mir: Ich möchte seit 1969 der erste hessische Finanzminister sein, der einen ausgeglichenen Haushalt vorlegt. Das werde ich in absehbarer Zeit schaffen, wenn es nicht zu einem gewaltigen Konjunktureinbruch kommt. In dieser Legislaturperiode ist es mir gelungen, trotz der höchsten Zahlungen Hessens an die anderen Bundesländer im Länderfinanzausgleich Sparen und Investieren in die Zukunft Hessens miteinander zu vereinbaren.

 

Wie viele Stunden in der Woche arbeiten Sie?

 

Weimar: Ehrlich?

 

Lehrerin Gisela Schäfer: Ehrlichkeit setzten wir bei Ihnen voraus!

 

Weimar: 80 bis 100 Stunden. Es gibt Tage, an denen ich 16 Stunden unterwegs bin, zum Beispiel wenn ich als Chef der Finanzminister-Konferenz zusätzlich in Berlin sein muss.

 

Halten Sie die Unterrichtsgarantie Plus mit Vertretungslehrern für wirtschaftlicher und effizienter als die Finanzierung von mehr festen Lehrerstellen?

 

Weimar: Ich halte beides für wichtig. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren 500 Lehrerstellen in Beamtenstellen umgewandelt, und in den nächsten Jahren wollen wir weitere 2500 Lehrer einstellen. Die Unterrichtsgarantie Plus und die angestellten Vertretungslehrer halte ich auch für sehr wichtig, wir haben den Unterrichtsausfall an den Schulen damit fast vollständig beseitigt.

 

Können Sie uns als Mitglied des Kreistages sagen, warum unsere Schule gerade jetzt renoviert wird und nicht schon früher?

 

Weimar: Das liegt daran, dass die öffentliche Hand, in diesem Fall der Kreis, kein idealer Immobilienverwalter ist. Hier wird, wie so oft, nach der Haushaltslage entschieden. Aber mir ist klar, dass Schüler nur in schönen Räumen auch gute Leistungen erzielen können. Ihren Raum hier empfinde ich als freundlich, darüber kann man sich nicht beschweren. Aber meine Schulbesuche sagen mir, dass nicht alle Klassenräume so aussehen.

 

Gab es schon während Ihrer Schulzeit Anzeichen auf eine politische Karriere? Waren Sie zum Beispiel Klassensprecher?

 

Weimar: Nein, ich war Zehnkämpfer und Leistungssportler. Ich war Dritter bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften, den Deutschen Hochschulmeisterschaften und mehrfacher Hessenmeister. Das wichtigste, das man beim Sport lernen kann, ist, sich auf eine bestimmte Situation zu konzentrieren. Die Fähigkeit, an ganz bestimmten Tagen eine bestimmte Leistung zu bringen. Ich halte es für ausgesprochen schlecht, nichts anderes zu tun als nur zu lernen. Deshalb rate ich den Leuten, neben Schule oder Studium zum Beispiel Sport zu treiben.

 

Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

 

Weimar: Ich jogge mit meiner Frau – so oft es geht. Und ich spiele gerne Tennis, auch wenn ich meinen Spielpartner oftmals einiges zumuten muss. Ich kann schließlich eine Sitzung, die zeitlich aus dem Ruder läuft, nicht einfach abbrechen und sagen: „So, ich gehe jetzt Tennis spielen.“ Ich laufe übrigens noch ziemlich gut, kann eine Stunde am Stück durchhalten.

 

Sind Sie eigentlich gerne in die Schule gegangen?

 

Weimar: Das kann ich nicht sagen. Es war halt so, dass ich in die Schule gehen musste, übrigens in die Tilemannschule. Aber wie schön es in der Schule war, sieht man erst, wenn die Schulzeit vorbei ist.

 

Gehörten Sie damals zu den guten Schülern?

 

Weimar: Ich war ein durchschnittlicher Schüler mit Anlagen zu deutlich besseren Leistungen.

 

In welchen Fächern lagen Ihre Stärken, in welchen Ihre Schwächen?

 

Weimar: Ich war im naturwissenschaftlichen Bereich ziemlich gut – und in Englisch, nachdem ich meinen Onkel in England länger besucht hatte. Latein zählte nicht gerade zu meinen Stärken, aber ich bin froh, dass ich es gelernt habe. Es hilft mir heute noch, beispielsweise ein Verständnis für Französisch und Italienisch zu entwickeln. Generell kann man sagen, dass bei uns der Druck noch nicht so groß war.

 

Sprechen Sie mit Ihrer Frau über politische Entscheidungen?

 

Weimar: Eher selten. Meine Frau nimmt Anteil, aber es ist nicht so, dass Sie versucht, Einfluss zu nehmen. Wir versuchen, das politische Tagesgeschäft aus der wenigen Zeit, die uns gemeinsam bleibt, herauszuhalten. Wir reden also nicht permanent über Politik.

 

Mit welchem Minister verstehen Sie sich privat am besten?

 

Weimar: Eigentlich mit allen. Aber privat bin ich mit einigen Kollegen befreundet.

 

Sind Sie mit Ministerpräsident Roland Koch per Du?

 

Weimar: Ja, wir sind auch befreundet. Wir kennen uns schon sehr lange, lange bevor er Ministerpräsident und ich Minister wurde.

 

Wie viel verdienen Sie als Finanzminister?

 

Weimar: Ich bin zufrieden und verdiene genug, um zwei Mal am Tag warm essen gehen und in Urlaub fahren zu können. Aber im Vergleich zu dem, was in der Wirtschaft verdient wird, befinde ich mich am unteren Rand. Jeder Sparkassendirektor in Hessen verdient bisweilen deutlich mehr als ein Finanzminister.

 

Finden Sie das ungerecht?

 

Weimar: Nein, das wäre falsch. Ich habe mich schließlich dazu entschlossen, in die Politik zu gehen. Und mir reicht aus, was ich verdiene.

 

Was sagen Sie zum Thema Politikverdrossenheit?

 

Weimar: Leider haben viel zu viele Leute kein Interesse an der Politik. Und meist sind diejenigen, die es sich jeden Abend im Sessel gemütlich machen und niemals bereit sind, für die Öffentlichkeit etwas zu tun, die größten Kritiker der Leute, die ehrenamtlich in ihrer Freizeit abends Sitzungen der Gemeindevertretung besuchen und irgendwann auch mal Entscheidungen treffen müssen. Ich sorge mich darum, dass die Deutschen in absehbarer Zeit die Abgeordneten bekommen, von denen sie glauben, dass sie sie heute schon haben. Vor allem junge Leute sind in den Parteien willkommen. Gerade sie haben in den nächsten Jahren riesengroße Chancen, in verantwortliche Positionen aufzurücken.

 

 

 

Das Interview führten Talisa Jeuck, Natalie Meier, Marius Rompel und Johannes Zimmermann von der Klasse 10 G der Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar.

 

Das Gespräch zeichnete Zisch-Projektleiterin Claudia Arthen auf.




Quelle:  www.nnp.de (o.g. Datum)


 
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